Delphin-Brunnen am Stadtberg

Delphinbrunnen am Stadtberg Bild: Felicitas Söhner 2022
Am Stadtberg, Postkarte um 1910
Quelle: Fo 189-01 Stadt Dillingen (206)

Gegenüber der Gaststätte Am Stadtberg 11 finden wir den Delphin-Brunnen am Stadtberg. An dieser Stelle befand sich früher ein Stall mit Pferdetränke, in dem die Gäste des ehemaligen Gasthofes „Grüner Baum“ ihre Pferde unterbringen konnten. Als dieser Stall nicht mehr benötigt war und abgetragen wurde, ließ Kommerzienrat Haenle im Jahr 1927 von Bildhauer Franz Matuska  diesen Brunnen errichten.

Gasthof zum Grünen Baum, um 1905
Quelle: StAD Fotosammlung

In einer spitzgiebligen, ziegelgefassten Wandeinrahmung und einem Halbrundbecken am Boden wehen wir ein kelchartig gegliedertes Brunnenbecken. Darüber ein stilisierter Delphin, aus dessen Maul und Nase das Wasser läuft. Die Brunnengestaltung trägt unverkennbar die Handschrift Matuskas.

Delphinbrunnen am Stadtberg Bild: Felicitas Söhner 2022

Wir finden seine Werke auch an anderen Stellen im Stadtbild, so die Frontplatte des Chevauleger-Denkmals am Taxispark, der Hl. Franziskus am Franziskanerinnenkloster, der Geizige am Mitteltor und das Geldscheißerle in der Klosterstraße. Auch die Figur des Dillinger Biberstehlers stammen von Bildhauer Matuska.

Das Oblatenkonvikt in Dillingen

Oblatenkonvikt Dillingen im Jahr 1958 von Süden, Georg-Schmid-Ring 35 Quelle: Stadtarchiv Dillingen Fo 195-05 Haas JB (252)

Mehrere Gebäude der heutigen Theresia-Haselmayr-Schule im Süden Dillingens gehen zurück auf das ehemalige Oblatenkonvikt in Dillingen.

Der Orden der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau (OMI) wurde 1816 von Eugen von Mazenod in Frankreich gegründet. Ab 1923 waren die Oblaten im Landkreis Dillingen in Obermedlingen ansässig. Im Sommer 1951 erwarben sie das Parkrestaurant Dierke im Dillinger Auwald

Die Internatsgründung wird von Hermann Biber beschrieben: „Das südlich des von der Oberen Quelle bis zur Donaubrücke verlaufenden Hochwasserdamms gestandene zweigeschossige Haus glich mit seinem tiefen Satteldach, den grünen Fensterläden und dem holzschuppenartigen Nebengebäude einer Almwirtschaft inmitten von dichtem Laubgebüsch, knorrigen Eichen- und schlanken Fichtenbäumen. „Christkönigshaus“ wurde es nach Übergang an die Ordensgemeinschaft genannt und war nach geringfügigen Änderungen bereits nach einer Woche für den ersten Rektor Pater Peter Raskop bezugsfertig. Auch die ersten zehn Schüler, die den Grundstock für das künftige Seminar bilden sollten, zogen so rechtzeitig ein, dass sie zu Beginn des neuen Schuljahres 1951/52 untergekommen waren und in das heutige Johann-Michael-Sailer-Gymnasium eintreten konnten. Damit war das Haus umfunktioniert und wurde somit auch ab Mitte September 1951 äußerlich gekennzeichnet, indem man über der Eingangstür ein Schild mit der Aufschrift „Oblatenkonvikt“ angebracht hatte.“

Bei der zunächst umgesetzten Unterbringung im ehemaligen Parkcafe als Internat sollte es nicht bleiben – im Frühjahr 1953 begannen die Bauarbeiten der neuen Internatsgebäude. Dank der günstigen Witterung und dem guten Zusammenwirken aller beteiligten lokalen Unternehmer war bereits nach nur dreieinhalb Monaten der Rohbau fertiggestellt, so dass am 17. Juli das Richtfest gefeiert werden konnte. Imponierend in seinen Ausmaßen präsentierte sich auch der Neubau mit seinen vier Geschossen im Seminartrakt und dem nach Osten angefügten Kapellenbau. Aus der breiten Turmzwiebel der dem Türmchen aufgesetzten Bedachung sprach ein Zimmermann den Richtspruch mit folgenden Schlussworten: „Den Turm geb’ ich in Gottes Hand, ihm schad’ kein’ Wut, nicht Unwetter noch Brand!“  Bereits ab November 1952 konnten die Oblatenschüler im Neubau untergebracht.  

Das Konvikt, das von Beginn an für 60 bis 70 Schüler konzipiert war, war in den ersten Jahren gut frequentiert. Neben der Förderung der schulischen Ausbildung am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium hatte sich das Studienheim von Anfang an die Aufgabe gestellt, junge Menschen durch das Leben in der Gemeinschaft zu selbständigem und bewusstem Handeln anzuleiten. Auch sollten die Schüler auf der Grundlage einer christlichen Erziehung zu kritischen und verantwortungsbewussten Menschen herangebildet werden, die bereit sind, in Gesellschaft und Kirche aktiv mitzuwirken.  

Mit den 1980er Jahren taten sich zu viele Gründe auf, die den Provinzialrat veranlassten, das Dillinger Haus zu schließen. Da war die in den vorausgegangenen Jahren sich völlig verändernde Schul- und Internatslandschaft. Diese kam in Bewegung durch die ständig wachsende Zahl an Gymnasien, die verbesserten Verkehrsbedingungen zu Orten, die höhere Schulbildung anbieten und schließlich ein starke Rückgang an Eintritten in den Priester- und Ordensstand. So wurde im Sommer 1988 geschlossen. Heute sind die Gebäude Teil  des sonderpädagogischen Förderzentrums – in den heutigen Räumen finden Schüler und Schülerinnen erneut einen einladenden Lernort in der Theresia-Haselmayr-Schule.

Oblatenkonvikt im Dillinger Auwald von Südwesten Quelle: Stadtarchiv Dillingen Fo 195-05 Haas JB (251)

Dillinger Jaunerliste

Dillinger Jaunerordnung 1721 Quelle: Stadtarchiv Isny Bü 975

Zwischen 1692 und 1812 wurden im Schwäbischen Reichskreis, in der Deutschschweiz und in Vorarlberg 122 Gauner- und Diebslisten gedruckt. Diese enthalten rund 15.000 Personenbeschreibungen. Die meisten Gaunerlisten entstanden zwischen 1770 und 1790 im Zusammenhang der Inquisationsprozesse. Diese gingen über Steckbriefe, mit denen nach flüchtigen Verbrechern gefahndet wurde, hinaus. Sie waren vielmehr Sammellisten, in denen Beamte Informationen aus Befragungen, Verhören festhielten und in Amts- und Wachstuben auslegten. Sehr wahrscheinlich dienten sie als Vernehmungshilfe und Hilfsmittel zur Identifzierung Verdächtiger, die nach Festnahme ihre Identität verschleiern wollten.

Die Personen werden nicht nur anhand körperlicher Merkmale, ihrer Kleidung und unveränderlicher Kennzeichen beschrieben, sondern auch deren Begleitpersonen, Verhaltensweisen und an welchen Orten sie sich vermutlich aufhielten. Für die Sozialgeschichte bieten die Gauner- und Diebslisten eine wichtige Quelle zur Rekonstruktion sozialer Netzwerke und Milieus auffälliger und nichtsesshafter Personen, die ansonsten wenige schriftliche Spuren hinterließen.

In den Jahren 1716, 1721 und 1723 erschienen die „Dillinger Jaunerlisten“. In diesen werden auch der Dillinger Hiesel und seine Bande beschrieben.

Verhör des Bayerischen Hiesel in Dillingen 1771 (Johann Martin Will) Quelle: Stadtarchiv Dillingen Pe 17-01
Hiaslturm in der Seelgasse von Westen 1958 Quelle: Stadtarchiv Dillingen Fo 195-05 Haas JB (225)

Bischof Christoph von Stadion

Wappen der von Stadion Quelle: Siebmachers Wappenbuch 1605

In den Beständen der Stadtverwaltung befindet sich eine Reihe von Porträts von früheren Bischöfen von Augsburg. Eine vollständige Reihe der Augsburger Bischofsbildnisse befindet sich im Augsburger Dom. Die Bischofsgalerie des Augsburger Doms (ab 1592) ersetzte die Vorgängergalerie aus den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts.

Die älteren Bildnisse wurden ins Dillinger Residenzschloss verlegt, wo sie sich bis zur Säkularisation befanden. Heute sind einzelne Bischofsbildnisse in Teilen ausgestellt im Amtsgericht Dillingen, im Rathaus der Stadt sowie im Stadt- und Hochstiftmuseum.

Das hier abgebildete Gemälde zeigt Bischof Christoph von Stadion (1478-1543). Von Stadion studierte in Tübingen, Freiburg und Bologna Theologie und Rechtswissenschaften. Er stand in Verbindung mit Erasmus von Rotterdam (1465-1536) und gilt als Anhänger einer humanistischen Auffassung des Christentums. Bei den Verhandlungen mit der protestantischen Bewegung zeigte er weites Entgegenkommen – insbesondere auf dem Reichstag in Augsburg 1530. Persönlich geriet er durch die Reformation in starke Bedrängnis, was ihn schließlich zum Verlassen Augsburgs zwang. Fortan residierte der Bischof im Dillinger Schloss. Sein Leichnam ist in der Dillinger Pfarrkirche bestattet. Neben seinem bischöflichen Amt erinnert die Geschichtsschreibung seine Liebe zur Wissenschaft – neben Erasmus stand er in Verbindung mit Johann Altenstaig, Johann Alexander Brassikan und Petrus Apianus – und zählt als einer der gelehrtesten Bischöfe im deutschen Raum.

Künstler: Franz Matuska

Franz Matuska: Geldscheißerle Königstr.22 Quelle: Stadtarchiv Dillingen Fo 195-05 Haas JB (132)
Zeitungsanzeige im Dillinger Donaubote 1918 Quelle: Stadtarchiv Dillingen
Franz Matuska: Der Geizige am Mitteltorturm Quelle: Stadtarchiv Dillingen

In Dillingen lebte und wirkte einige Jahre der aus Ungarn stammende Bildhauer Franz Matuska (1880-1971. Zuvor einige Jahre in Nürnberg betrieb er ab 1912 in Dillingen seine Werkstatt. Mit den politischen Umbrüchen zogen er und seine Frau 1934 in deren Heimat, nach Neukirchen im Vogtland. Kurz nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg annoncierte Matuska im Dillinger Donauboten: „Vom Felde zurück, bringe ich der geehrten Einwohnerschaft von Dillingen und Umgebung zur Kenntnis, daß ich mein Geschäft wieder eröffnet habe. Ich bitte das mir vor dem Kriege geschenkte Vertrauen auch fernerhin entgegenbringen zu wollen. Hochachtungsvollst Franz Matuska“.

In den folgenden Jahren schuf Matuska zahlreiche Figuren, die im Dillinger Stadtbild heute präsent sind, wie die Figur des Geizigen am Mitteltorturm, das „Geldscheißerle“ an einem früheren Bankgebäude, das Flachrelief der „Chevauleger-Gedenktafel“ am Taxispark (1929) sowie einige  Grabmale, die nicht nur auf dem Dillinger Friedhof zu finden sind.

Auch die Figur der Sagengestalt des „Biberstehlers“ schuf Matuska im Jahre 1923. Der Dillinger Prof. Sebastian Euringer beschrieb die Gestalt in folgendem Sinne: Es ist der leibhaftige Biberstehler, wie er in der Überlieferung und Phantasie der Dillinger fortlebt. Er hält uns Rosenkranz und Pilgerbuch vor die Nase, während seine Rechte hinter seinem Rücken den Truthahn(=Biber) hält. Dazu kommt die bodenständige Gewandung und ganz besonders das grundverschmitzte Gesicht.  Bei schwäbisch-alemannischen Narrenzügen lebt die Sagenfigur wieder auf und wird von Dillinger Faschingsfreunden dargestellt. Ein Beitrag dazu in der Dillinger Donauzeitung gibt auch weiter Aufschluss zur dahinterstehenden Sage.

Einen ausführlichen Bericht zu Matuska und seinem Wirken finden Interessierte im schwäbischen Donautal im Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen.

Theodor Becker-Dillingen

Titelblatt Libretto der Oper „Der Dürrenteufel“ von Theodor Becker Quelle: Stadtarchiv Dillingen Nachlass Th. Becker-Dillingen

Theodor Becker lebte von 1865 bis 1946 in Dillingen. Der Kaufmann, der ein kleines Feinkostgeschäft in der Kapuzinerstr. 28 betrieb, war verheiratet mit Thekla Simson (1866-1939).  

Als Heimatdichter verfasste Becker Gedichte, kleine Singspiele und große Festspiele wie das Festspiel für Günzburg. Theodor Beckers poetische Ader wusste man zu schätzen. In der Donauzeitung wurde er in den 1960er Jahre beschrieben als ein : „außergewöhnlich belesener Mann; Interessen v.a. Geschichte, Erdkunde und Literatur; wegen seiner Freundlichkeit von jedermann geschätzt, herzhafter Humor, Steckenpferd Dichtkunst, Wanderungen, mit schneidigem Schnurrbart, Bussardfeder auf dem Hut, Stockschirm geschultert

In seinem Nachlass im Stadtarchiv Dillingen befinden sich mehrere seiner Tagebücher aus der Zeit 1913 bis 1919, seine Briefkorrespondenz, eine Sammlung von Programmheften von Kulturveranstaltungen, Schulheften und Geheften mit Gedichtsammlungen. Weiter finden interessierte Archivbesucher Manuskripte von Singspielen und Märchenopern, für die er die Textbücher schrieb wie „Heute ist heut“ (1930, Mus. Albert Segebrecht), „Der Dürrenteufel“ (Mus. Paul Jäpel), „Der Passauer Fidel“, „Der Spielmann“ (1928, Mus. Alois Bauer), „Der Bärenhäuter“ (1905) und „Der Traumjörg“.

Weiter befindet sich im Stadtarchiv eine von Becker angelegte Zeitungsausschnittsammlung der Jahre 1920 bis 1969 zu kulturellen Veranstaltungen in der Stadt. Darin dürften auch einige Berichte zu Aufführungen und Veröffentlichungen der Beckerschen Schau- und Singspiele enthalten sein.

Titelblatt des Singspiels „Der Spielmann“ (1928) von Theodor Becker Quelle: Stadtarchiv Dillingen Nachlass Th. Becker-Dillingen

Oberdillingen um 1590

Dillingen und Oberdillingen um 1590 Seefried/Stang Quelle: HStA Plansammlung 7945, 13

Das alte Oberdillingen war ein auf eine alemannische Gründung zurückgehendes Dorf mit einigen Häusern. Im 10. Jahrhundert ist an der Stelle des heutigen Dillinger Schlosses die Burg der Grafen von Dillingen errichtet worden, um die herum die Stadt (oppidum 1257) Dillingen und ihre Bürgerschaft (civitas 1264) wuchsen. Oberdillingen befand sich auf Höhe der Oberen Quelle im Westen der Stadt.

Nach Seitz unterstand St. Peter in Dillingen noch bis 1318 der Oberdillinger Pfarrkirche St. Martin. Das Dorf Oberdillingen ist in den folgenden Jahrzehnten – vermutlich wegen des starken Bevölkerungsschwunds mit der Pest im 14. Jahrhundert – verödet. Die Kirche und darum befindliche Grabstätten blieben bestehen und sind erst mit der Säkularisation entfernt worden. Auf Landkarten aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert findet man Darstellungen des aufgelassenen Ortes.

Um 1590 ließ Pfalzgraf Philipp Ludwig (1547-1614) das stark zersplitterte Territorium des Fürstentums Pfalz-Neuburg kartographisch und inhaltlich erfassen. In der frühen Phase dieses langjährigen Projekts lieferten die schwäbischen Kartografen Friedrich Seefried (1549-1608) und Mathäus Stang (1582-1639( detailreiche Darstellungen des Landgerichts Höchstädt. In den Karten dieser Landesaufnahme finden sich auch Darstellungen des ehemaligen Ortes Oberdillingen und des Kirchleins St. Martin.

Ausschnitt Dillingen, Kartenkopie aus dem Jahr 1791. Strobl Alois Quelle: HStA Plansammlung 9226
Ausschnitt Dillingen mit Oberdillinger Kirche und Zollhaus 1584 (Seefried Friedrich) Quelle: HStA Plansammlung 4043

Ein Japanisches Teehaus in Dillingen

Japanisches Teehaus des Anwesens Curtius in Dillingen Quelle: Stadtarchiv Dillingen Fo 196-00 Kaschta R (2)

Ab dem frühen 18. Jahrhundert begann der europäische Adel, sich Pagoden, asiatisch anmutende Pavillons und Teehäuser in die Gärten zu bauen. Zwar hatten diese Gebäude mit der asiatischen Realität wenig zu tun, sie dienten vielmehr als akzentsetzendes Gestaltungselement, als Ort der Repräsentation oder als romantischer Rückzugsort. Wohlhabende Bürger ahmten dieses Vorbild nach. Bekanntes Beispiel der meist aufwändigen Fantasiebauten ist das Teehaus im englischen Garten in München („Chinesischer Turm“).

Auch in Dillingen befand sich ab den 1870er Jahren ein japanisches Teehaus im Garten der Kaufmannsfamilie Curtius an der Großen Allee. Ob diese für japanische Teezeremonien  genutzt wurde, ist heute nicht mehr bekannt; doch diente es sicher als Ort der Harmonie und Ruhe, in dem sich die Familie und ihre Gäste vom geschäftigen Alltag lösten konnten.

Der „Blaue Kurfürst“ – Max Emanuel II. von Bayern

Schabkunstblatt Kurfürst Max Emanuel von Bayern zu Pferd (1715), Georg Philipp Rugendas d.Ä. Quelle: Stadtarchiv Dillingen Sammlung Gebr. Hermann und Manfred Milz Mil 17/12

Im Stadtarchiv befindet sich in der Sammlung Gebrüder Hermann und Manfred Milz ein aufwändig gestaltetes Schabkunstblatt von Georg Philipp Rugendas d.Ä. (1666-1742) aus dem Jahr 1715. Dieses zeigt Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern (1662 – 1726). Er gilt als eine der abenteuerlichsten Gestalten der bayerischen Geschichte.

Bereits im Alter von 18 Jahren übernahm er die Regierung nach dem Tod seines Vaters. Seinen Beinamen „blauer Kurfürst“ erhält er wegen des blauen Waffenrocks, in dem er während der Türkenkriege gemeinsam mit Österreich gegen die Osmanen in die Schlacht zog.

1685 versuchte Max Emanuel über die Heirat mit der Kaisertochter Maria Antonia den Anspruch der bayerischen Krone mit dem spanischen Weltreich zu sichern. Mit der Geburt des Kurprinzen Joseph Ferdinand schien sich dies zunächst zu realisieren; dessen Tod im Kindesalter zog den Spanischen Erbfolgekrieg nach sich. Der mit Frankreich verbündete Max II. Emanuel verlor in den Schlachten am Schellenberg und bei Blindheim-Höchstädt (1704) seine Macht, worauf er ins französische Exil ging und 1706 vom Kaiser mit der Reichsacht belegt wurde. 1714 kehrte er nach Bayern zurück und beteiligte sich erneut am Türkenkrieg. Seinem Kunstsinn ist u.a. das Schloss Schleißheim zu verdanken, sein übermäßiger politischer Ehrgeiz führte zu einer Überspannung der militärischen und materiellen Ressourcen Bayerns. Als Max Emanuel 1726 starb, hinterließ er ein hoch verschuldetes Bayern.

Heute wird er als einer der kriegerischsten und aggressivsten bayerischen Herrscher erinnert, „der als Hauptschuldiger der Schlacht von Höchstädt gelten muss“.

Beruf „Lokomotivführer“

Dillinger Bahnhof, Gleise von Nordwesten im Jahr 1957. Quelle: Stadtarchiv Dillingen, Fo 195-05 Kaschta R(43)

Dillingen ist seit 1876 an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Mit der Eröffnung des Teilstücks der „oberen Donauthalbahn“ Neuoffingen – Höchstädt am 15. August 1876 gab es erstmals Lokomotivführer in unserer Stadt. Die Herausforderungen des Berufs beschrieb das Tag- und Anzeigblatt für die Städte Dillingen, Lauingen, Höchstädt, Wertingen und Gundelfingen am 10. November 1868. Der Beitrag begann: „Wenn Jemand einen beschwerlichen und furchtbar verantwortlichen Dienst hat, so ist es ein Lokomotivführer…“ 

Untenstehendes Bild ist einige Jahrzehnte später entstanden. Es zeigt eine Lok und die Kinder des Dillinger Lokomotivführer Kaschta in den frühen 1960er Jahren vor dem Stellwerk in Dillingen.

Rangierlok vor dem Stellwerk mit den Kindern des Lokführers Inge, Ralf und Karin Kaschta. Quelle: Stadtarchiv Dillingen Fo 196-00 Kaschta R (6)

Die Aufgaben der Lokführer waren vielfältig: So hatten sie nicht nur die Maschinen während der Fahrt zu führen, sondern diese auch zu warten und instand zu halten. Im 19. Jahrhundert wurden insbesondere Schlosser oder Mechaniker für diesen Beruf gesucht. Sie sollten, wann immer möglich, ihre Maschinen selbst reparieren können und führten dazu stets Werkzeug und Material mit sich.

Der Anschluss der Stadt Dillingen an das Bahnnetz im Jahr 1876 machte sich seinerzeit rasch durch einen Aufschwung in der Infrastruktur und Wirtschaft bemerkbar. Die Augsburger Abendzeitung vom 13. Mai 1877 berichtete: „Diese äußerst angenehme Notiz wird gewiß nicht verfehlen, die Bewohner des obern Donauthales, namentlich die Einwohnerschaft der vier Donaustädte, und darunter besonders die Bewohner Dillingens hoch zu erfreuen und die Gemüther Aller lieblich anzuregen. … Seitdem Dillingen eine dem Verkehr längst erwünschte Bahnstation geworden ist, regt sich allseitig das entsprechende Vorgehen der Einwohnerschaft; es werden Straßen angelegt, Beleuchtungen eingerichtet und Neubauten aufgeführt; es wurde z.B. das städtische Krankenhaus erweitert, das stattliche Brauereigebäude zum Bären mit den neuesten Verbesserungen eingerichtet, in einen großen mit einer Mauer umgebenden Garten wurde ein Prachtgebäude eingerichtet, eine Restauration in der nächsten Nähe des Bahnhofs soll… gebaut und das bischöflichen Knabenseminar auch einen großen Neubau erweitert werden. Vielfache Projekte harren noch der Erledigung, so daß Dillingen als Bahnstation wohl bald um eine nahmhafte Einwohnerzahl zunehmen und die mannifaltiggeistigen Studien der verschiedenen Lehranstalten eine ebenbürtige Rivalin am regsamen, thätigen Sinne Seitens der Bürgerschaft finden dürfte.“